Porträt von Kerstin Fakler - Ter Hell am der Weserburg 2016
Ter Hell (Porträt von Kerstin Fakler)

Austellungseröffnung, Freitag | 01.09.2017 | 19 Uhr
Der Künstler wird anwesend sein.

ABOUT TER HELL

von Dr. Ernst A. Busche zu ter Hells Solo-Show (online)
siehe www.busche-kunst.com/solo/ter-hell

Das Werk ter Hells "verblüfft [...] durch seine stilistische Vielfalt – als sei hier nicht ein einzelner Künstler, sondern eine Vielzahl am Werk. Dem seit Jahrhunderten gültigen Grundgedanken der Kunst, die stilistische Einheit, stellt ter Hell das eigene Projekt entgegen: Er gibt seinen wechselnden Themen die jeweils angemessene Form. Die Dis-Kontinuität ist die überwölbende Einheit dieses Werks, Stilbruch ist das Stilprinzip.

Im großen Neustart der Berliner Kunst um 1980 gehört ter Hell zur Gruppe 1/61, der eher konzeptuell ausgerichteten Konkurrenz zur neo-expressiven Malerei der Galerie am Moritzplatz (1/61 war der Postzustellbezirk des westlichen Kreuzberg, parallel zu SO 36 für den östlichen Teil). Als Schüler des tachistischen Altmeisters Fred Thieler übernimmt er neben dessen gestischem Ansatz auch seine Experimentierfreude. Der andere point de résistance ist Jackson Pollock. Die Mischung aus typisch Berliner, rotziger Frechheit und politisch aufgeladener, anarchischer Protestkultur auf der einen Seite sowie Weltoffenheit und internationaler Orientierung auf der anderen prägt seither ter Hells Werk.

Zwei Ansatzpunkte halten dieses stilistisch disparate Werk zusammen. Der eine ist die Reflexion, die Analyse, das Denken. Überlegungen zu den kompositorischen und strukturellen Möglichkeiten treiben den Künstler mit einer gewissen Atemlosigkeit von Bild zu Bild. Überhaupt spielt die körperliche Bewegung eine große Rolle in seiner Arbeit, wie ein Tänzer – manchmal wie ein Springteufel – umkreist und gestaltet er seine Werke. Daneben steht der Ort des Denkens selbst, das Gehirn: nach diesem Organ ist eine ganze Serie benannt, Hirnströme finden ihre Form als Fäden-Gewimmel, als »energetische Ketten«. Immer wieder gerinnt das Zerebrale zu Worten und Begriffen.

Der zweite Ansatzpunkt ist das politische, sozialkritische Denken. »Der Sinn meiner künstlerischen Arbeit«, sagt ter Hell, »besteht in dem Versuch, einen Ort zu finden, von dem aus ich der Gehirnwäsche, der Korruption und dem Kapitalismus etwas entgegensetzen kann.« Als hellwacher Beobachter will er über die »Verhältnisse«, das »System« aufklären, aus seiner Position als Künstler heraus ein allgemeines, kritisches Bild-Bewusstsein schaffen. Ein zentrales Angriffsziel ist die digital aufbereitete Ersatz-Welt, er träumt von einem großen Crash, »als würde Zeus Blitze werfen und der ganze Online-Verkehr zusammen brechen«.

Wer den Emotionen dieser Bilderwelt nachspürt, entdeckt hinter der rationalen, »coolen« Haltung und dem gelegentlich ausufernden, geradezu aufsässigen Aktionismus eine gewisse Melancholie, vielleicht sogar Verzweiflung – nicht nur über den Zustand der Welt im allgemeinen, sondern auch über das individuelle Schicksal. Es geht um das existenzielle Zurückgeworfen-Sein auf sich selbst, um die Aufgabe jedes Einzelnen, seinen Platz in der Welt zu bestimmen und zu behaupten – um den Wunsch, das Unbehauste zu überwinden. [...]"

Kurator der Ausstellung: Frank Benno Junghanns (*1964) bearbeitet als Künstler humorvoll Ungereimtheiten und Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen und gesellschaftlicher Normen. Als »Kunstwirt« – Kurator, Ausstellungsmacher, Designer­ – gestaltet er seit 1992 Medien und Räume für Kommunikation. Hierzu zählen u.a. interaktive Installationen, sein Kommunikations- und Ausstellungsdesign für den Kunstbereich und seine kuratorische Tätigkeit, u.a. für die Kunstfaktor Produzentengalerie Berlin (52 Ausstellungen von 1998 bis 2010). Auch die jüngste Ausstellung im Ohrpheo von ter Hell wurde von ihm zusammengestellt und organisiert.

raumfisch.de/sign

BIOGRAPHIE ter Hell

1954
geboren in Norden
1976–1981
Studium an der Hochschule der Künste Berlin bei Fred Thieler, Meisterschüler
1979
Gründung der Künstlergruppe und Galerie 1/61, Berlin
1982
PS1 Stipendium, New York
1983
Kunstpreis Glockengasse Köln
Philip Morris-Preis: Dimensionen IV – Neue Malerei in Deutschland

ter Hell lebt und arbeitet in Berlin

EINZELAUSSTELLUNGEN

Einzelausstellungen fanden u.a. in der von ter Hell mitbegründeten Galerie 1/61 und den Galerien Nothelfer, Fahnemann, Pels-Leusden, Manfred Giesler (alle Berlin) sowie Dany Keller (München) und Tilly Haderek (Stuttgart) statt. In den letzten Jahren wurden die Arbeiten vor allem im Freien Museum Berlin, der Kunstfakor Produzentengalerie Berlin und dem Kunstraum L102 in Berlin gezeigt. Eine Präsentation mit knapp 50 Werken aus der Sammlung Böckmann war 2015/2016 im Museum Weserburg Bremen, zu sehen.
Eine umfangreiche Werkschau ist ständig im Hotel Pullman Berlin Schweizerhof zu besichtigen.

GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl)

1979
Alkohol, Nikotin fff · Galerie am Moritzplatz · Berlin
12 Räume – 12 Künstler · DAAD Galerie · Berlin

1980
Junge Kunst aus Berlin · Goethe-Institut München; gezeigt in Berlin · London · Singapur und anderen Orten – bis 1982
Große Kunstausstellung · München

1981
Ten Young Painters from Berlin · Goethe-Institut · London
Forum Junge Kunst 81 · Wolfsburg · Düsseldorf · Kiel
Bildwechsel – Neue Malerei aus Deutschland · Akademie der Künste · Berlin
Situation Berlin · Museum Nizza · Kunsthalle Wilhelmshaven
Phoenix« · Alte Oper · Frankfurt
Dimension 81 – Neue Tendenzen der Zeichnung · München, Berlin, Düsseldorf

1982
10 x Malerei · Parallel-Ausstellung zu Chaim Soutine · Landesmuseum Münster
Gefühl & Härte · Neue Kunst aus Berlin · Kulturhuset Stockholm · Kunstverein München
Zeichnung heute · 2. Internationale Jugendtriennale der Zeichnung · Nürnberg, Lausanne, Lissabon
Galeria Peccolo · Livorno (mit Reinhard Pods und Gerd Rohling)
Made in New York · Paintings and Sculptures by Four Contemporary German Artists – Thomas Bernsten · ter Hell, Barbara Quandt, Klaus Schmitt · Goethe-Institut · New York
Sieben im Kutscherhaus · Sammlung Dr. Stober · Berlin
New European and American Drawing · Piran, Jugoslawien

1983
Xenophilia · The Clocktower Institute for Art and Urban Resources · New York
Dimension IV – Neue Malerei in Deutschland · Nationalgalerie Berlin, Haus der Kunst München, Kunsthalle Düsseldorf

1984
Neue Malerei Berlin« · Kestner-Gesellschaft · Hannover
Kunstlandschaft Bundesrepublik Deutschland« · Stuttgart, Ulm, Reutlingen

1985
Kunst in der Bundesrepublik Deutschland 1945 – 1985 · Nationalgalerie Berlin
Drawings – 12 Artists from Berlin · Wanderausstellung Goethe-Institut Kairo

1986
Berlin Aujourd’hui · Musée de Toulon · Toulon, Frankreich
7. Internationale Biennale der Grafik · Mulhouse, Frankreich
Von Beuys bis Stella · Kupferstichkabinett Berlin
Kunst in Berlin von 1870 bis heute – Sammlung der Berlinischen Galerie« · Martin-Gropius-Bau · Berlin

1987
Berlin Art 1961 – 1987 · Museum of Modern Art · New York · und San Francisco Museum
Dallas – Berlin · Crescent Gallery · Dallas, Texas
Bremer Kunstpreis · Kunsthalle Bremen
desire for life · Pictures from Berlin · Goethe-Institute der USA und Kanada

1989
Malerei des 20. Jahrhunderts · Martin-Gropius-Bau · Berlin
Kunst in Berlin von 1900 bis heute · Centro de Arte Moderna · Lissabon

1990
Ambiente Berlin · Biennale Venedig

1991
Berliner Kunst seit 45 · Museen in Riga und St. Petersburg

1992
Sammlung der Berlinischen Galerie · Berlin

1999
Deutsche Kunst nach 1945 · Kunstmuseum Bonn
100 Jahre Kunst im Aufbruch · Berlinische Galerie · Bonn · Grenoble · Valencia · Porto · Budapest

2003
Ich bin’s – Zwischenspiel V · Berlinische Galerie im Kunstforum der Grundkreditbank Berlin

2008
Die aufregende Kunst des 20. Jahrhunderts · Neue Nationalgalerie · Berlin
Eine Dekade – 10 Einsichten · Kunstfaktor Produzentengalerie · Berlin

2010
Vom Esprit der Gesten · Kupferstichkabinett · Berlin

2013
Synekdoche – The Artists Show · Freies Museum Berlin

2014
Let’s Fix It! … It’s Fixed! · Freies Museum Berlin

2016
Brut Interstellar · Kunstaum F200 · Berlin

ww.terhell.info

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