Porträts von Antje Thierbach (Oboe) | Susanne Stock (Akkordeon)

Antje Thierbach Oboe | Susanne Stock Akkordeon (www.susannestock.de)

Oboe und Akkordeon, auf den ersten Blick sehr verschieden, stehen dennoch in verwandtschaftlichem Verhältnis zueinander. Beide gehören zu den "Luftklingern". Weniger poetisch bezeichnet man sie auch als "Aerophone": "Zungen-Aerophon" das Akkordeon, "Gegenzungen-Aerophon" die Oboe. Das legt das Experiment des Zusammenspiels per se nahe. Zumal: Im Gegensatz zu Klavier und Orgel kann das Akkordeon Töne auf- und abschwellen lassen, was sehr interessante Differenzierungsmöglichkeiten ermöglicht.

Andreas Staffels "Treibgut II " für Baritonoboe und Akkordeon entstand im Frühjahr 2016. Die Komposition bezieht sich auf den Beginn des dritten Aktes von Wagners "Tristan". Teile des "Hirtenreigen" sind bruchstückartig über das ganze Stück verteilt. Wie Treibgut im Wasser werden Klänge „herangeschwemmt“ und verschwinden in der Ferne.

"Polymonolie II - Air on Air" für Akkordeon Solo (The different ways of describing exhaustion) beschreibt verschiedenartige Erschöpfungszustände. Hierbei werden z. B. die unterschiedlichen Möglichkeiten des instrumentalen Ausatmens, atmende Pausen, Luftspiele und allmählich sich auflösende Klangsäulen verwendet.

Die historische Oboe wird dagegen in überraschend anderer Weise konnotiert.

Bei Sarah Nemtsovs "Briefe Heloisa" verweist sie durch ihre Klanglichkeit auf vergangene Zeiten.

Samir Odeh Tamimi nutzt ihre Eigenschaften als nahezu klappenloses Instrument, um mit avancierten Mitteln zeitgenössischen Komponierens aus dem Geist traditionellen orientalischen Musizierens einen musikalischen Gestus noch einmal neu zu erschaffen, der überbordend vital und zugleich verstörend archaisch anmutet.

Ali Gorji dagegen setzt sie ein, um einen milden Reflex "in Memoriam Luciano Berio" auf dessen berühmte Sequenza VII für Oboe Solo zu erschaffen. Das Akkordeon ist dabei mit seinen dynamischen, klanglichen, perkussiven und intonatorischen Möglichkeiten ein idealer Partner.

Programm

Samir Odeh-Tamimi: Òd
Sarah Nemtsov: Briefe.Heloisa
Andreas Staffel: Treibgut II (UA)
Ali Gorji: In Memoriam Luciano Berio (Erstaufführung in der Besetzung Barockoboe d´amore - Akk)
Andreas Staffel: Polymonolie II (Air on Air) Akk solo

Über Susanne Stock

Susanne Stock, geboren 1980 in Dessau. Erster Akkordeonunterricht an der Musikschule Dessau, ab 1996 am Musikgymnasium “Schloss Belvedere” in Weimar bei Claudia Buder. Von 2000-2005 studierte sie Akkordeon an der Hochschule für Musik „Franz Liszt” Weimar bei Prof. Ivan Koval, von 2005-2007 an der HfK Bremen bei Margit Kern.

Susanne Stock unterrichtet seit 2005 an verschiedenen Musikschulen in Berlin und Brandenburg, seit 2011 hat sie eine Dozentur an der Universität Potsdam.

Als Akkordeonistin ist sie solistisch und kammermusikalisch tätig, wobei sie vorwiegend im Bereich der Neuen Musik aktiv ist. Sie ist Mitglied von „Courage – Dresdner Ensemble für zeitgenössische Musik“. Als Gast wirkte sie u.a. an Konzerten des ensemble unitedberlin, Ensemble l´Art Pour l´Art, Ensemble Experimente oder der Internationalen Ensemble Modern Akademie mit.

In intensiver Zusammenarbeit mit Komponisten wie Helmut Oehring, Annette Schlünz, Benjamin Schweitzer, Samir Odeh-Tamimi oder Ali Gorji entstanden sowohl solistische als auch kammermusikalische Werke, die von ihr uraufgeführt wurden.

Mit Laure Mourot, Flöte, gründete sie 2007 das Duo neu², welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, neue Werke für diese ungewöhnliche Besetzung ins Leben zu rufen. Aktuell arbeitet sie mit der Oboistin Antje Thierbach an Werken, die Alte und Neue Musik, historische und moderne Instrumente zusammenführen.

Mit der Schauspielerin Elisabeth Richter-Kubbutat arbeitet sie regelmäßig zusammen in der Reihe „Literatur und Konzert“.

Über Antje Thierbach

Antje Thierbach wuchs in Ostberlin auf und studierte von 1988 bis 1997 in Leipzig, Würzburg und Berlin moderne Oboe, von 2003 bis 2005 historische Aufführungspraxis und historische Oboen bei Katharina Arfken an der Schola Cantorum Basilensis in der Schweiz.

Der Schwerpunkt ihrer Konzerttätigkeit liegt neben der Zusammenarbeit mit renommierten Orchestern wie dem Bayrischen Staatsorchester München, dem Konzerthausorchester Berlin, dem Sinfonieorchester des SWR, Staatsorchester Karlsruhe u.a. im Bereich Zeitgenössischer Musik. Regelmäßig arbeitet sie mit dem Ensemble Modern, Klangforum Wien, Musikfabrik NRW , KNM Berlin, Ensemble Adapter, Camerata Variabile Basel, Meitar Tel Aviv u.a.

Die intensive Auseinandersetzung mit ihrem Instrument, besonders im Bezug auf neue Spieltechniken, und die Arbeit mit verschiedenen Komponisten an der Umsetzung und Notation musikalischer Ideen speziell für die Oboe, führte sie konsequenter Weise dazu, Musik früherer Epochen ebenfalls auf dem jeweils zeitgenössischem Instrumentarium zu erforschen.

Sie konzertiert im Bereich historischer Aufführungspraxis u.a. mit herausragenden Ensembles für Alte Musik wie dem Freiburger Barockorchester Akademie für Alte Musik Berlin, Capella Colloniesis, der Lattencompagney Berlin, Concerto Brandenburg, Sinfonia Amadei u.v.a.m.

Seit 2011 unterrichtet sie Historische Aufführungspraxis und Barockoboe sowie Neue Spieltechniken auf der Oboe an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin.

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